SALON Global Agriculture

Mit der Bedeutung der Bioökonomie wächst auch die Relevanz der Pflanzenforschung

© Andreas Neßlinger

130 Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben am 5. März beim „SALON Global Agriculture“ über die Rolle der Pflanzenforschung in der Bioökonomie diskutiert. Veranstaltungsort war die Botschaft des Königreiches der Niederlande.

Peter Westhoff, Prorektor für Forschung und Transfer an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied der Leopoldina, zeigte in seiner Keynote ein Relief des Pharaos Echnaton, der vor 3.300 Jahren die Sonne aufgrund ihrer lebensspendenden Funktion anbetete. Für Westhoff zählt Echnaton deshalb zu den ersten Entdeckern der Photosynthese, obwohl der Prozess erst viel später verstanden wurde. Dazu erklärte Westhoff: „Die Photosynthese ist der biochemische Prozess, der die Welt am drastischsten verändert hat“. Ohne sie gäbe es weder Luft zum Atmen noch Nahrung für Mensch und Tier. Im Kontext der Bioökonomie spiele die Photosynthese wiederum als Ansatzpunkt zur Erhöhung der Produktivität von Pflanzen eine entscheidende Rolle. Diese zu optimieren sei nötig, da die Nachfrage nach pflanzlichen Rohstoffen im 21. Jahrhundert steigen werde.

Andrea Noske, Referatsleiterin für Nachhaltiges Wirtschaften und Bioökonomie im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), unterstrich die Bedeutung der Pflanzenwissenschaften für die Bioökonomie. Mit der neuen Nationalen Bioökonomiestrategie (2020) habe die Bundesregierung ein Zeichen gesetzt, um die Förderung der Bioökonomie fortzusetzen, die bereits vor zehn Jahren mit einer eigenen Forschungsstrategie gestartet habe. Pflanzen als Rohstoffquellen und damit auch der Prozess der Photosynthese spielten dabei eine wichtige Rolle. Um die Bevölkerung an der Umstellung zur Bioökonomie auf Augenhöhe beteiligen zu können, sei insbesondere eine gute Wissenschaftskommunikation erforderlich.

Sascha Bollerman vom niederländischen Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität erklärte, sein Land wolle Vorreiter auf dem Gebiet der Kreislaufwirtschaft werden. Dazu verwies er auf die Bioökonomiestrategie der Niederlande von 2018. Allerdings sei die Umstellung der Landwirtschaft mit zahlreichen Herausforderungen verbunden, die starke und auch grenzübergreifende Kooperationen erfordere.

Andreas Weber, Professor für Biochemie der Pflanzen an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf und Sprecher des Cluster of Excellence on Plant Sciences (CEPLAS), erklärte, wie sich die landwirtschaftlichen Erträge durch eine Verbesserung der Lichtnutzung durch Pflanzen steigern lassen. Dies könne dazu beitragen, den Flächenverbrauch für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung zu limitieren und zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung beizutragen. Dr. René Klein Lankhorst von der Wageningen University & Research ergänzte, dass es der Zusammenarbeit vieler Forschungsinstitutionen und der politischen Unterstützung vieler EU-Mitgliedstaaten bedürfe, um Photosynthese- Forschung langfristig zu finanzieren und durchzuführen.

Der Sozioökonom Dr. Frans Hermans vom Institut für Agrarentwicklung in Transformationssökonomien (IAMO) ging anschließend auf die Zielkonflikte ein, die zum Beispiel durch konkurrierende Landnutzung entstehen. Daher sei es wichtig, die großen Fragen nicht nur fachlich, sondern auch inter- und transdisziplinär zu betrachten.

In einem Science Slam zeigte Martin Becker, Post-doc am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK Gatersleben), dass Wissenschaftskommunikation komplexe Themen durch spannende Formate vermitteln kann. Auf humorvolle Art sprach Becker über die Unterschiede zwischen konventioneller Züchtung und den neuen Züchtungsmethoden der Genom-Editierung.

In den Impulsen aus der Wirtschaft wurde deutlich, dass  die Transformation zur Bioökonomie erst durch attraktive Finanzierungsmodelle für Gründerinnen und Gründer und kooperatives Forschen und Wirtschaften richtig Fahrt aufnehmen werde. Grégoire Hummel, Geschäftsführer von Phenospex, erzählte, dass er mit seinem Unternehmen in die Niederlande gegangen sei, nachdem er in Deutschland keine Anschlussförderung erhalten hatte. Willem Sederel, Vorstandsmitglied von Biobased Delta, ergänzte, dass die Zusammenarbeit in Clustern  wichtig sei, um die biobasierte Wirtschaft voranzutreiben, denn obwohl man allein schneller gehe, so gehe man doch zusammen weiter.

Natalie Laibach von der Progressiven Agrarwende betonte in ihrem Impulsvortrag, dass es für die nachhaltige Bioökonomie darauf ankomme, Politik und Gesellschaft, Markt und Unternehmen sowie Naturwissenschaft und Forschung gleichermaßen einzubeziehen. Außerdem müssten die inter- und transdisziplinäre Forschung und die Wissenschaftskommunikation gefördert und die  pflanzenbasierte Bioökonomie in die Kreislaufwirtschaft integriert werden.

Zum Abschluss diskutierten Rosalina Babourkova (Futurium), Kees de Vries (CDU, MdB), Jon Falk (Saaten-Union Biotec) und Jens Freitag, (Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, IPK) zum Thema „Was darf’s sein: Feed, Food, Fuel, Fiber? – Forschung für eine pflanzenbasierte Bioökonomie“. Dabei wurde insbesondere über die Sensibilisierung der Politik für das strategisch wichtige Feld der Pflanzenforschung diskutiert. Pflanzenforschung sowie Wissenschaftskommunikation in viel breiterem Sinne müssten auch in Zukunft eine strategische Rolle spielen – auch damit die Vision der Bioökonomie Realität werden kann.

SALON Global Agriculture ist die Plattform für wissenschaftsbasierten Austausch der Genius GmbH - für Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und NGOs. Der WissenschaftsCampus Halle - Pflanzenbasierte Bioökonomie hat als Partner diese Veranstaltung unterstützt. Weitere Partner waren CEPLAS (Cluster of Excellence on Plant Sciences), der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP), die Bayer AG, die Botschaft des Königreichs der Niederlande, der U.S. Soybean Export Council (USSEC) sowie als Medienpartner die agrarzeitung.

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